Fischstäbchen gehören zu den beliebtesten Tiefkühlprodukten in deutschen Haushalten. Sie gelten als praktische Lösung für gestresste Eltern und werden oft als gesunde Alternative zu anderen Fertiggerichten wahrgenommen. Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle offenbart häufig Überraschungen, die das vermeintlich gesunde Image ins Wanken bringen. Wer seinem Kind regelmäßig diese panierten Fischprodukte serviert, sollte wissen, worauf es beim Einkauf wirklich ankommt.
Die Täuschung durch die 100-Gramm-Angabe
Ein weit verbreitetes Missverständnis entsteht bereits bei der Art und Weise, wie Nährwertangaben präsentiert werden. Die gesetzlich vorgeschriebene Darstellung bezieht sich meist auf 100 Gramm des Produkts. Das klingt zunächst nachvollziehbar, birgt aber eine Falle: Fischstäbchen werden in der Regel nicht roh verzehrt, sondern gebraten oder im Backofen zubereitet. Während des Garprozesses nimmt das Produkt zusätzliches Fett auf, besonders beim Braten in der Pfanne. Der tatsächliche Fettgehalt auf dem Teller kann daher erheblich von den Angaben auf der Verpackung abweichen.
Hinzu kommt, dass eine typische Portion für ein Kind bei etwa 150 bis 200 Gramm liegt, was vier bis fünf Fischstäbchen entspricht. Die Nährwerte müssen also entsprechend hochgerechnet werden, was viele Verbraucher im Alltag nicht konsequent tun. Gängige Fischstäbchen enthalten zwischen 7,7 und 8,6 Gramm Fett pro 100 Gramm. Bei einer Kinderportion summiert sich dies bereits auf 11,5 bis 17 Gramm Fett, ohne zusätzliches Bratfett.
Versteckter Zucker im herzhaften Produkt
Während die meisten Eltern bei Kinderlebensmitteln auf Zucker achten, erwarten sie diesen kaum in einem herzhaften Fischprodukt. Tatsächlich enthalten Fischstäbchen jedoch Zucker, auch wenn die Mengen überschaubarer sind als bei vielen anderen Fertigprodukten. Der Zuckergehalt liegt bei etwa 0,5 bis 0,8 Gramm pro 100 Gramm und stammt hauptsächlich aus der Panade, wird aber teilweise auch als Geschmacksverstärker und Bindemittel eingesetzt.
Bei einer kindgerechten Portion von 150 bis 200 Gramm bedeutet dies etwa 0,75 bis 1,6 Gramm Zucker. Besonders problematisch wird es, wenn Fischstäbchen mit süßlichen Beilagen wie Ketchup oder speziellen Soßen kombiniert werden, die zusätzlich Zucker liefern und die Gesamtmenge deutlich erhöhen.
Der Salzgehalt als unterschätztes Risiko
Ein besonders kritischer Punkt auf der Nährwerttabelle ist der Salzgehalt, der häufig mit dem weniger bekannten Begriff Natrium angegeben wird. Hier ist Vorsicht geboten: Der Natriumwert muss mit 2,5 multipliziert werden, um den tatsächlichen Salzgehalt zu ermitteln. Ein Produkt mit 0,3 Gramm Natrium pro 100 Gramm enthält also tatsächlich 0,75 Gramm Salz.
Die empfohlene Tagesmenge an Salz für Kinder im Grundschulalter liegt bei maximal 5 Gramm. Gängige Fischstäbchen enthalten zwischen 0,75 und 0,89 Gramm Salz pro 100 Gramm. Eine Portion von 150 bis 200 Gramm liefert damit bereits 1,1 bis 1,8 Gramm Salz, was einem Fünftel bis einem Drittel des Tagesbedarfs entspricht. Zusammen mit Salz aus Brot, Käse und anderen Lebensmitteln über den Tag verteilt, wird die Höchstgrenze schnell überschritten. Ein dauerhaft erhöhter Salzkonsum in der Kindheit kann das Geschmacksempfinden prägen und langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Der tatsächliche Fischanteil: Weniger ist oft mehr Panade
Die Nährwerttabelle selbst verrät nicht direkt, wie hoch der Fischanteil im Produkt ist. Diese Information findet sich in der Zutatenliste, die nach Gewichtsanteilen geordnet ist. Steht Alaska-Seelachs oder eine andere Fischart nicht an erster Stelle, sollten Verbraucher hellhörig werden. Hochwertige Produkte bestehen zu mindestens 65 Prozent aus Fisch, während günstigere Varianten teilweise nur 50 Prozent oder weniger aufweisen.
Der Rest besteht aus Panade, die hauptsächlich aus Mehl, Wasser und verschiedenen Zusatzstoffen zusammengesetzt ist. Je dicker die Panade, desto ungünstiger das Verhältnis von Protein zu Kohlenhydraten und Fett. Ein Blick auf die Proteinangabe in der Nährwerttabelle kann hier Aufschluss geben: Hochwertige Fischstäbchen enthalten mindestens 12 bis 14 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm. Liegt der Wert deutlich darunter, ist der Fischanteil entsprechend gering.

Omega-3-Fettsäuren: Das fehlende Versprechen
Viele Verbraucher greifen zu Fischstäbchen in der Annahme, ihrem Kind damit wertvolle Omega-3-Fettsäuren zu liefern. Doch die Nährwerttabelle gibt hierüber meist keine Auskunft, da diese Angabe nicht verpflichtend ist. Die verwendeten Fischarten wie Alaska-Seelachs oder Kabeljau gehören zu den mageren Weißfischen, die deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren enthalten als fettreiche Fische wie Lachs, Makrele oder Hering.
Während fetter Seefisch etwa 2 bis 3 Gramm Omega-3-Fettsäuren pro 100 Gramm liefert, sind es bei den typischen Fischstäbchen-Sorten oft nur 0,2 bis 0,5 Gramm. Tatsächlich enthält Alaska-Seelachs wenig Omega-3, was ihn vom ernährungsphysiologischen Wert her deutlich von fettem Seefisch unterscheidet. Wer sein Kind gezielt mit diesen wichtigen Fettsäuren versorgen möchte, sollte also nicht ausschließlich auf panierte Tiefkühlprodukte setzen.
Zusatzstoffe in der Zutatenliste erkennen
Obwohl nicht direkt Teil der Nährwerttabelle, verdienen die Zusatzstoffe besondere Aufmerksamkeit. Stabilisatoren wie Diphosphate werden häufig eingesetzt, um dem Fisch mehr Wasser zu binden und ihn saftiger erscheinen zu lassen. Dies erhöht das Gewicht und verbessert die Konsistenz, trägt aber nicht zum Nährwert bei. Phosphatzusätze können in größeren Mengen die Calciumaufnahme beeinträchtigen, ein Aspekt, der gerade bei Kindern im Wachstum bedenklich ist.
Farbstoffe und Geschmacksverstärker sind weitere Kandidaten, die in der Zutatenliste auftauchen können. Auch wenn diese in der EU zugelassenen Mengen als unbedenklich gelten, bevorzugen viele Eltern Produkte mit möglichst kurzer und verständlicher Zutatenliste.
Vergleichswerte richtig einordnen
Die auf der Verpackung angegebenen Referenzmengen beziehen sich auf den durchschnittlichen Tagesbedarf eines Erwachsenen. Für Kinder sind diese Werte jedoch nur bedingt aussagekräftig. Ein Produkt, das 15 Prozent des Tagesbedarfs an Salz deckt, bezieht sich auf 6 Gramm bei Erwachsenen. Bei Kindern mit einer Empfehlung von maximal 5 Gramm wäre der prozentuale Anteil entsprechend höher.
Besonders bei Fett und gesättigten Fettsäuren sollten Eltern die Verhältnismäßigkeit beachten. Gesättigte Fettsäuren sollten maximal 10 Prozent der Gesamtenergiezufuhr ausmachen. Eine Portion Fischstäbchen liefert etwa 195 bis 203 Kilokalorien pro 100 Gramm. Bei einer Kinderportion von 150 Gramm entspricht dies bereits 290 bis 305 Kilokalorien, ein signifikanter Anteil einer Mahlzeit.
Praktische Tipps für den bewussten Einkauf
Beim Vergleich verschiedener Produkte sollten Verbraucher nicht nur auf den Preis, sondern systematisch auf folgende Nährwertaspekte achten:
- Proteingehalt von mindestens 12 Gramm pro 100 Gramm als Indikator für einen höheren Fischanteil
- Salzgehalt unter 0,8 Gramm pro 100 Gramm als Orientierungswert
- Möglichst niedriger Anteil gesättigter Fettsäuren im Verhältnis zum Gesamtfett
- Kurze Zutatenliste mit erkennbaren Zutaten
- Fischanteil von mindestens 60 bis 65 Prozent laut Zutatenliste
Die Zubereitungsart beeinflusst die Nährwerte erheblich. Im Backofen zubereitet bleiben Fischstäbchen näher an den angegebenen Werten als beim Braten in der Pfanne. Wer zusätzliches Fett vermeiden möchte, sollte auf die Ofenvariante zurückgreifen und auf Zugabe von Öl verzichten. Fischstäbchen müssen kein Tabu in der Kinderernährung sein, doch sie sollten als das betrachtet werden, was sie sind: ein praktisches Fertigprodukt mit Kompromissen beim Nährwert. Die regelmäßige Integration von frischem oder tiefgekühltem unpaniertem Fisch bietet eine wertvollere Alternative, die mehr Protein, weniger Fett und mehr Omega-3-Fettsäuren liefert. Mit dem nötigen Wissen über die Nährwerttabelle können Eltern informierte Entscheidungen treffen und ihren Kindern eine ausgewogenere Ernährung bieten.
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